In den letzten Jahren konnte es nicht schwerer und mühseliger sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Berlin nach Dresden zu reisen. Entweder mit dem EC über Falkenberg(Elster) zwei Stunden im Zug sitzen oder sich mit dem Fernbus durch den dichten Verkehr auf den Berliner Stadtautobahnen kämpfen und so meist nochmal einige Minuten Verspätung einfahren(planm. 2:30h). Also die Qual der Wahl zwischen zwei Übeln? Trotz den variierenden Fahrzeiten der Fernbusse, wählen immer mehr Fahrgäste den Fernbus, nicht zuletzt wegen der billigeren Preise. Die verbliebenen Bahnkunden rufen und fragen schon lange nach der von der deutschen Bahn groß angekündigten Ausbaustrecke Berlin-Dresden, die sowohl die Fahrzeit als auch den Fahrkomfort verkürzen und verbessern soll. Doch anscheinend wird sie einfach nicht fertig. Welche Probleme und Herausforderungen Ausbaumaßnahmen von überregionalen Strecken mit sich bringen und was die Pläne der DB für die nächsten Jahre sind, möchte ich in diesem Artikel ein wenig erklären.

Ausbaumaßnahmen der DB auf der Strecke Berlin-Dresden

Die DB hat die Maßnahmen entlang der Strecke in verschiedene Ausbauabschnitte aufgeteilt. Insgesamt sollen 575 Millionen Euro in die Strecke investiert werden, davon sind bis jetzt schon 165 Millionen in die Erneuerung des Abschnitts Hohenleipisch-Elsterwerda, die Errichtung einiger Straßenunterführungen und den Umbau von Ersatzquerungen durch den Rückbau von Bahnübergängen geflossen. Ziel ist im Moment der Ausbau der Teilstrecke Wünsdorf-Waldstadt–Hohenleipisch bis zum Ende des Jahres 2017, sodass sich die Fahrzeit um neun Minuten auf eine Stunde und siebenundvierzig Minuten verkürzen wird. Bis 2020 soll zudem das neue europäische Sicherungssystem ETCS installiert, als auch die 125km lange Ausbaustrecke auf eine Geschwindigkeit von 200km/h ausgebaut werden. Nach Abschluss aller geplanten Ausbaumaßnahmen, wird im Moment eine Fahrzeit von ungefähr 80min angepeilt. Dies soll im Jahr 2025 der Fall sein.

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Planumsvorbereitung nahe des Bahnhofs Brenitz-Sonnewalde

Speziell wird die Strecke technisch fast komplett erneuert. In Zahlen bedeutet dies für den Abschnitt Wünsdorf-Waldstadt–Hohenleipisch, dass fast 90.000 neue Schwellen gelegt werden, 121km Schienen, einige hundert Kilometer Kabel, als auch 1.800 neue Oberleitungsmasten verlegt und aufgestellt werden. Dazu wird die Strecke ESTW-tauglich gemacht.

Probleme und Schwierigkeiten bei Ausbaumaßnahmen

Wie auf den meisten Großbaustellen, ist auch hier der Zeitdruck ein wichtiges Problem bei der Fertigstellung der Strecke. Zum Beispiel wird die Strecke schon wieder als voll belastbare Umleitungsstrecke für die Strecke über Falkenberg(Elster), welche auch bald erneuert wird, eingeplant. Für den Ausbau auf höhere Geschwindigkeiten müssen verschiedene Betriebsvorschriften eingehalten werden, als auch Sanierungs-und Neubaumaßnahmen getroffen werden. Beispielsweise müssen ab Streckengeschwindigkeiten über 160 km/h jegliche Bahnübergänge auf der Strecke beseitigt werden. In diesem Fall sind das 23 Übergänge. Ersetzt werden sie durch Straßen-und Eisenbahnbrücken, welche durch örtlich sehr enge Baugebiete schwierig umzusetzen sind (bspw BÜ in Dorfmitte). Dazu müssen die örtlichen Kommunen je 30% der Baukosten für die neuen Bauwerke mittragen. Dies ist natürlich bei den oft sehr engen Infrastruktur-Budgets ein Ding der Unmöglichkeit, denn es sollen Reparaturen und Sanierungen von Straßen, Wegen, Schulen etc. nicht hinten angestellt werden. Hier wurde von der DB eine gute Lösung gefunden. Es wurden zusätzliche EU-Fördermittel beantragt, sodass die Gemeinden jetzt nur noch 10 der 30% zahlen müssen. Eine weiteres Problem ist häufig, dass die Bevölkerung an der Strecke die meiste Last des Ausbaus tragen muss, aber nicht wirklich sehr von dem Streckenausbau profitiert. Deshalb stimmte die DB auch dem Ausbau von vielen Regional-Haltepunkten zu, die teilweise sehr baufällig sind und nicht behindertengerecht gebaut wurden. Trotz der an einigen Bahnhöfen sehr geringen Fahrgastzahlen, hat die DB vielerorts einem kompletten Neubau zugestimmt (zB Klasdorf).

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Bauarbeiten am Bahnhof Klasdorf (Quelle: bauprojekte.deutschebahn.com)

Ein weiteres wichtiges Problem ist häufig der Naturschutz, der in Deutschland glücklicherweise auch sehr streng gehandhabt wird. Probleme sind hier oft geschützte Tiere, als auch die Rodung von Bäumen. Über die gesamte Bauzeit der Strecke wurden bis jetzt über 26000 Bäume durch nötige Umbaumaßnahmen gerodet, diese müssen alle in anliegenden Forst-und Waldgebieten wieder aufgeforstet werden. Dazu kommen oft seltene bzw. geschützte Tierarten, die nah am Bahnkörper leben. Ein sicherlich bekanntes Beispiel ist die Zauneidechse. Ihr Hauptlebensgebiet sind inzwischen die deutschen Gleise. Allerdings können die Eidechsen nur im Sommer von den Bahndämmen entfernt werden. Das gleiche gilt für Ameisenhügel und macht das Planen von Bauarbeiten noch schwieriger. Ebenso können Nester von Vögeln, oder auch Bieberbauten einen kompletten Bauabschnitt zum Erliegen bringen.
Zusammenfassend kann man gut erahnen, was alles zu einem Streckenausbau dazugehört. Da gilt es nicht nur die Erneuerung des Gleisober und- Unterbaus, sondern auch noch den Umbau von Gleisübergängen, Bahnhöfen und Kurvenbereichen zu beachten. Auch hat nicht nur eine Firma den Zuschlag für den Ausbau der Strecke bekommen, sondern es gibt mehrere, die in verschiedene Lose eingeteilt sind. Dies muss alles organisiert und geplant werden. Das geht über die Abfall-und Abraumplanung bis hin zu der Einhaltung von Terminen, die wichtig für den Fortschritt der Baustelle sind. Hinzu kommen noch Aufgaben mit dem Naturschutz und der Kommunikation mit der anliegenden Bevölkerung. So kommt ein großes Aufgabenfeld um eine Streckenbaustelle zusammen, die auch Dinge beinhaltet, die man zumindest zuerst nicht vermuten würde. Vielleicht konnte ich einen kleinen Einblick in die Arbeit an der ABS Berlin-Dresden geben und möglicherweise auch die Fragen klären, warum und was so schwer an einem Ausbau ist. Ich würde mich sehr über eure Kommentare freuen!
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Bildquelle: https://bauprojekte.deutschebahn.com/
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Veröffentlicht von trafficinsight

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